Politischer Handlungsrahmen
Energiethemen beherrschen die Titelseiten der Zeitungen. Energiethemen
betreffen Wirtschafts-, Umwelt-, Infrastruktur-, Forschungs- und Außenpolitik.
In vielen Ländern ist Energie inzwischen Chefsache und beim Präsidenten
oder der Kanzlerin/dem Kanzler angesiedelt. Wie den politischen Handlungsrahmen
setzen, wenn so vieles noch ungewiss ist? Wo liegen die Gefahren für
unsere Energiesysteme?
Investitionsrisiken
Die Investitionsnotwendigkeiten für Netze und Erzeugung liegen
klar auf dem Tisch. Im liberalisierten Umfeld sind die marktorientierten
Energieunternehmen zu kurzfristigen Renditen verpflichtet. Investitionen
im Energiebereich sind aber langfristiger Natur. Wie können Energieunternehmen
bei wechselnden Rahmenbedingungen die Energiesysteme vernünftig
umstrukturieren und dabei ihrem Auftrag gemäß Gewinne erzielen?
Geopolitische Dimension
Trotz aller Hoffnungen steigt der Energieverbrauch global und auch
regional an; in den traditionellen Nachfragezentren der Industrieländer
ebenso wie in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Energie
ist ein begehrtes Gut, das die Ressourcenländer und die Verbraucherländer
in Konflikte verstrickt. Ist ein globales oder regionales Handelssystem
die Lösung oder Energieautarkie der Ausweg?
Technologierisiken und -chancen
Die steigende Nachfrage nach Energiedienstleistungen erfordert technologische
Innovationen, die mit einem Bruchteil an fossilen Ressourcen auskommen.
Gibt es technologische Lösungen für die nächsten Jahre,
die die bestehende Infrastuktur optimal nutzt oder müssen wir
auf den technologischen Durchbruch hoffen und warten?
Risiko der Produzenten-Konsumenten Interaktion und Rechtsrahmen
Die Verbraucher, und hier insbesondere die Großverbraucher,
haben den schwierigsten Part am Ende der Vertragskette. Eine neue
Art des Produzenten-Konsumenten Dialogs ist gefordert. Es geht um
Risiken der Energieversorgungssicherheit, der Preisentwicklung, der
Umweltkosten und der Marktmechanismen sowie um die Gefährdungspotenziale
exponierter Infrastrukturen. Nach welchen Kriterien treffen heute
Manager und Konsumenten ihre Investitionsentscheidungen und kontrollieren
das Risiko?
Finanzielle Risiken
Seit der Liberalisierung der Energiemärkte werden die Methoden
der Finanzwirtschaft nach und nach in der Energiewirtschaft eingesetzt.
Dies betrifft die Verfahren aus dem Risikomanagement, Asset Management,
Commodity Trading, Bidding von Kraftwerken, Preisprozesse und die
Bewertung von Energieverträgen mit Optionalitäten. Wo liegen
die speziellen Risiken des Energiesektors und zugleich seine Chancen?
Innovationschancen und -risiken
Mit den bestehenden technischen Möglichkeiten sind die politisch
gesetzten ambitionierten Ziele nicht zu erreichen, weder auf internationalem
Niveau wie die 50%-Reduktion der Treibhausgase bis 2050, wie auf dem
G8-Gipfel in Heiligendamm verlautbart wurde, noch die 20-20-20 Ziele
der EU oder die in Österreich erstrebte Anhebung des Anteils
der Erneuerbaren auf 45%. Forschungsförderung und Innovation
sind gefragt, aber wie?
Effizienz und Life Style Risiken
Energie Effizienz ist der Hoffnungsträger der politischen Umweltziele.
Unsauber und meist als Prozentsatz einer unbekannten zukünftigen
Bezugsgröße formuliert soll die Effizienzsteigerung die
Versorgungslücke schließen, den Komfort erhöhen und
das Klima retten. Was ist Energie Effizienz? Wer ist für Effizienz
zuständig? Wo sind die Grenzen des Machbaren? Riskieren wir einen
Life Style Bruch?